Nachhaltigkeit ist etwas, was ich seit Jahren persönlich verfolge. Und das nun endlich auch beruflich tun zu dürfen, ist wirklich sehr aufregend.

Andrea

Fachexpertin Nachhaltigkeit Lieferantennetzwerk

Das Bild zeigt Andrea Fachexperting Nachhaltigkeit im Lieferantennetzwerk der BMW Group

Was machst Du in Deinem Job? In welchem Feld bist Du tätig?

Unsere Aufgaben teilen sich in zwei Hauptfelder, erstens in die Umwelt- und Sozialstandards in der Lieferkette, und zweitens in die CO2-Reduktion in der Lieferkette sowie den Umwelt- und Sozialstandards. Hier versuchen wir insbesondere, die Risiken für die BMW Group zu reduzieren. Das sind vor allem Risiken, die sich aus potenziellen Menschenrechtsverstößen in der Lieferkette ergeben. Risiken, die sich aus kritischen Rohstoffen ergeben.

Bei den CO2-Emissionen geht es hauptsächlich darum, eine klimaneutrale Lieferkette bis 2030 zu realisieren. Diesen Anspruch mit den Lieferanten in Deckung zu bringen und sie um einen Beitrag dazu zu bitten. Unsere Lieferkette besteht aus den Lieferanten und ihren Wertschöpfungsbeiträgen und ohne diese Wertschöpfungsbeiträge wird es uns nicht gelingen, diese Reduktionen darstellen zu können.

Inwiefern geht es in Deinem Job um Nachhaltigkeit?
In meiner Tätigkeit geht es eigentlich den ganzen Tag nur um Nachhaltigkeit in ihren verschiedensten Funktionen, aber immer mit Bezug auf das Lieferantennetzwerk der BMW Group. Das heißt, die komplette Breite des Themas: von der Ressourcennutzung, über potenzielle Beeinträchtigen oder Risiken für die umgebende Natur bis hin zu sozialen Aspekten der Nachhaltigkeit. All das findet seinen Niederschlag in unseren Risikofiltern, in unseren Reduktionszielen, Maßnahmen und Assessments, die wir in Audits durchführen.

Der Anspruch ist vielmehr, dieser unglaublichen Breite des Themas so gerecht zu werden, dass man es mit begrenzten Ressourcen für dieses große Lieferantennetzwerk umsetzt, ohne die wichtigen Punkte außer Acht zu lassen. Es ist eigentlich die Hauptanforderung, aber inhaltlich geht es immer und überall um Nachhaltigkeit.

Wie trägt Deine Arbeit zu den Nachhaltigkeitszielen der BMW Group bei?
Die Ziele unserer Abteilung sind direkt mit den Nachhaltigkeitszielen der BMW Group verbunden. Wir haben ein Zielsystem auf Konzernebene, auf welches Ziele für das Einkaufsressort abgeleitet werden. Ein Beispiel ist die CO2-Reduktion, die unter dem Konzernziel „Ressourceneffizienz“ in der Lieferkette abgebildet ist. Hier haben wir im Laufe der Jahre Key Performance Indikatoren entwickelt, um die CO2-Reduktion in der Lieferkette greifbar zu machen.  Unsere KPIs werden jährlich nachgehalten, im Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht und gehen direkt in das Konzernzielsystem „Ressourceneffizienz“.

Wie fühlt es sich an, Teil dieser Transformation zu sein?
Es ist sehr spannend, ein Teil dieser Transformation zu sein. Das ist etwas, was man sich schwer vorstellen kann, wenn man nicht mitten drinsteckt. Wie viel Einfluss man tatsächlich als Repräsentant von einem so großen Unternehmen wie BMW nehmen kann, das ist wirklich sehr spannend.

Wo siehst Du Dein Thema in der Zukunft?
Wahrscheinlich sehe ich mein Thema genau da, wo jeder seine Themen in der Zukunft sieht, nämlich mit einer stark steigenden Bedeutung. Das kann ich aber von meinem individuellen Hintergrund kaum lösen. Es ist eine gesellschaftliche Bewegung, der wir hoffentlich folgen dürfen.

Bist Du stolz in diesem Thema involviert zu sein?
Ich bin tatsächlich sehr stolz, hier mitarbeiten zu können. Zumal es etwas ist, was ich seit Jahren persönlich verfolge. Und dass nun endlich auch beruflich tun zu dürfen ist wirklich sehr aufregend. Mir fällt eigentlich nur das englische Wort 'exciting' dazu ein.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für Dich? (allgemein, persönlich und in Bezug auf Deine Arbeit)
Auf einer persönlichen Ebene habe ich wahrscheinlich eine etwas radikale - vielleicht für den beruflichen Kontext zu radikale - Vorstellung von Nachhaltigkeit. Ich glaube, dass Nachhaltigkeit eine Voraussetzung ist, die zwingend erfüllt werden muss, um uns in Zukunft noch eine Daseinsberechtigung als Gesellschaft auf der Erde zu geben.

Wie wichtig ist Dir Nachhaltigkeit? (allgemein, persönlich und in Bezug auf Deine Arbeit)
Für mich ist Nachhaltigkeit persönlich ein sehr wichtiges Anliegen und deshalb bin ich sehr dankbar, dass ich in meinem beruflichen Umfeld tatsächlich daran arbeiten kann; dass ich diesen persönlichen Anspruch und mein berufliches Wirken so stark in Übereinstimmung bringen kann.

Oft sind die Ansprüche, die man persönlich hat, zwar größer oder es geht schneller als das, was man beruflich umsetzen kann. Andererseits bietet einem ein so großer Arbeitgeber auch die Möglichkeit, Dinge überhaupt in einem Maßstab voranzubringen, wo man in Summe einen deutlich größeren Impact hat, als man ihn persönlich durch Handeln haben könnte. Ich beschreibe es immer als Integralfunktion – die Summe des Bewegten ist einfach deutlich größer, auch wenn die Schritte kleiner sind.

Wie beeinflusst Dich das persönlich/ außerhalb der Arbeit?
Im Beruflichen gelingt es nicht immer, diesen persönlichen Anspruch mit der Realität eines Unternehmens vollständig in Deckung zu bringen. Weil man eben auch berücksichtigen muss, dass ein Unternehmen bestimmte Rahmenbedingungen hat, in denen es existiert. Das heißt, hier kann man keine hundertprozentige Deckung herstellen. Aber man kann nur versuchen, diesem Anspruch, soweit es irgendwie geht, gerecht zu werden. Ich habe eine 19-jährige Tochter, die oft mit den Augen rollt, weil sie sagt, ich sei mehr Fridays for Future als ihre Generation.

Wie ist Deine Vorstellung von einer nachhaltigen Welt?
Meine Vorstellung von einer nachhaltigen Welt sieht so aus: deutlich weniger Konsum, deutlich bewussterer Konsum, deutlich mehr Qualität, deutlich mehr Langlebigkeit, reparieren, mehr kooperatives Arbeiten und weniger Wegwerfgesellschaft.

War Nachhaltigkeit für Dich immer ein Thema?
Tatsächlich war Nachhaltigkeit für mich nicht schon immer ein Thema. Ich kann es relativ genau datieren. Als ich ungefähr 16 Jahre alt war, wurde der Brundtland-Bericht veröffentlicht. Das war für mich ein sehr einschneidendes Erlebnis, weil ich damals komplett verstanden habe, in welcher Zwangsläufigkeit wir das Thema angehen müssen und wie sich unser Wirtschaften und Handeln in die Grenzen, die die Erde darstellt, einfügen muss. Von da an habe ich mich eigentlich konsequent mit diesem Thema beschäftigt, aber auch einige Jahre bei BMW warten müssen, bis eine Funktion frei wurde, in der ich arbeiten konnte.